Unser täglich Brot gib uns heute

 

Wer kennt ihn nicht diesen Abschnitt im Pater Noster. Brot war auch in unserer Reichsstadt das Grundnahrungsmittel. Um das tägliche Brot sorgten sich die Menschen und davon lebten sie. Nun war aber Brot nicht gleich Brot und die sozialen Unterschiede fanden sich auch dort. 1475 versorgten 104 Bäcker die Reichsstadt mit Brot. Brot, so verschieden wie die Käufer. Weizen und seltener Roggen war das Getreide für die meisten Brotsorten, Hafer und Gerste waren für Asketen und Bettler. Brot aus Weizen wurde verbacken zu "Domherrenbrot" aus weißem Auszugsmehl und bestimmt für Klerus und die angesehenen Bürger neben dem Stadt- oder Bürgerbrot, dem meistverkauften Brot, das Durchschnittsbrot für Handwerker und einfache Kaufleute und schließlich "das brot mit allem", dem Kleie beigemischt war und unserem modernen Vollkornbrot entsprach für die Knechte und Taglöhner.

 

Die Bedeutung dieses Grundnahrungsmittel Brot zeigt sich in der Reichsstadt oft in den Beschlüssen und Verordnungen des Rates. Als "Gesetzgeber" hatte der Rat oft einzugreifen wenn es um die Versorgung der Stadt mit Brot ging. Bereits im Jahr 1276, Augsburg wird freie Reichstadt, das erste Stadtrecht berichtet von "saemlin" und "braetzcen", eine Verordnung greift , die bis ins 19.Jahrhundert Gültigkeit bewahrt. So wird jedes Jahr zu Jakobi ( 25. Juli) das Brotgewicht durch Probebacken nach der neuen Ernte festgelegt. Ein-,Zwei- und Dreikreuzerbrote haben eine festen Preis, aber das Brotgewicht ändert sich jedes Jahr. Brot, jeder benötigt dieses Nahrungsmittel und entsprechend sind die Strafen für Missetäter. Der Rat führte bereits 1276 und 1283 "Brot-Visitationen" ein wobei neben dem Geschmack besonders das Gewicht geprüft wurde. Auch sollten die Bäcker per Anschlag wissen lassen um welchen Preis sie Weizen und Roggen einkauften und zu welchem Preis sie das Brot abgaben. Dies geschehen um 1444, nachdem die Bäcker bereits 1442 sehr unangenehm aufgefallen waren.Der Rat sah sich zu einer sehr dramatischen Maßnahme gezwungen. "Bey der Roß-Schwemme" nahe St. Ulrich wurde ein Wippgalgen errichtet.

Damit wurde über einem kleinen Weiher am Kitzenmarkt die  Bäckerstrafe vollzogen, das "Schupfen". An diesem Schwenkgalgen, an dem ein schmales Sitzbrett montiert war wurde der Missetäter über den Weiher hochgezogen und wenn er nicht freiwillig sprang halfen Stadtknechte mit einer langen Stange nach. Nicht das ins Wasser fallen war die Strafe sondern die öffentliche Entehrung.  Wer würde weiterhin bei einem bekannten Übeltäter kaufen, sein Kind in die Lehre schicken, ihm aushelfen?

Das Abmessen des Korns bei der Augsburger Kornschranne 1530

Niemand konnte auf Brot verzichten, diese Nahrungsgrundlage aus Korn. Getreide war der Rohstoff der das tägliche Überleben sicherte. Und Korn musste in die Reichstadt eingeführt werden. Maßeinheit für Korn war das Augsburger Schaff bis 1809 ( 205,3 Liter ), dies zu 8 Metzen. Ein Zwischenhandelsverbot von sieben Meilen ( zu 7,5 Kilometer ) rund um die Stadt sicherte den Marktzwang. Alles Korn hatte in der Kornschranne gehandelt zu werden. Bei St.Moritz entstand dieser noch bescheidene Bau um 1427. Dem Neubau 1542 folgen Bauten bis ins 20.Jahrhndert in der Halderstr. Die Zahlen um 1500 berichten von 13000 Wagenladungen mit insgesamt 7-8000 Tonnen, die angeliefert wurden. Vor allem Lieferungen aus dem Westen, dem schwäbischen Umland sind erwähnt während im Osten die Bayernherzöge aus politischen Gründen oft die Korneinfuhr erschwerten.

Lauchanbau 15.Jht

"Es lebt der Mensch nicht von Brot allein". Neben Brot finden sich sich noch allerlei andere Lebensmittel auf dem Tisch, je nach Stand und Tag. Wichtig war für alle Gesellschaftsstände die Einhaltung der kirchlichen Fastengebote. So war generell Freitag und Samstag, für viele Mittwoch und vor großen Festtagen der Fleischgenuß untersagt. So finden sich in der Küche Gemüsesorten wie Kohl, Spinat, Lauch, Zwiebeln, Knoblauch, dicke Bohnen, Erbsen, Linsen und Rüben. Obst gilt als Speise für vornehme Mägen und den Bessergestellten vorbehalten. Wenn man bedenkt dass am 2. Oktober 1467 zum Markt 107 Kärren mit Äpfel, Birnen und Nüssen in die Stadt geschafft wurden wird schnell klar wo die Bürgerschaft der Stadt einzureihen ist.

Holzschnitt von Retticharten, Anfang 16. Jht

Schweine werden mit Eicheln gemästet

Wer ein Stück Fleisch haben wollte machte sich auf zur 1446 erneuerten Metzg "auff dem Perlach", in der Nähe des Perlachturmes. Angeboten wurden Ochs, Kälber, Lämmer, Kitzen und Schweine. Und gerne wurde dieses Angebot angenommen. Der spätmittelalterliche Fleischkonsum wurde erst wieder Ende des 19.Jht. erreicht. Aber gerade die Schweine verursachten einige Aufregung. Diese im Gegensatz zu heutigen Hausschweinen mageren und borstigen Tiere wurden von vielen Haushalten in der Stadt als Müllschlucker gehalten. Bis die Sauerei dem Rat zuviel wurde. Die Begrenzung der Anzahl brachte keinen Erfolg, man bedenke durfte ein Brauer 6 und ein Bäcker schon 12 zur Entsorgung der Brau- und Mahlrückstände halten. Sogar der Kaiser erboste sich bei einem Besuch dass vor Rathaus die Schweine wühlten und so verbot man die Haltung im Stadtzentrum und die Bäcker legten vor dem Wertachbrucker Tor und dem Jakobstor große Gemeinschaftsställe an.

 

Vor der Augsburger Metzg 1530

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