Häfen, Pfannen, Holtz und Wasser
"Häfen, Häfen, kauft gute Häfen" schallt es hinaus aus der Werkstatt auf die Gasse. Ein Augsburger Töpfer bietet seine Waren feil. Und Kundschaft war reichlich vorhanden. War doch ein Haushalt nicht der abgeschlossene Bereich der Neuzeit sondern oft die Bezeichnung für eine eigene Herdstelle. Nur mit einer Möglichkeit Feuer zu machen war es nicht getan. Allerlei Hausrat musste beschafft werden. Töpferwaren, in Augsburg Häfen genannt, wurden zu vielerlei Zweck verwendet und entsprechend hoch war die Anzahl der Einzelstücke.
![]() Grabungsfund in Augsburg mit den Töpfereiwaren eines Haushaltes |
Krüge, Becher, Schüsseln, Grappen bis hin zu Öllampen wurden als einfache, häufig nur innen glasierte Gebrauchsgegenstände hergestellt. Gebrannt von den Hafnern in Augsburg und auch von auswärtigen Töpfern, gerade um das noch heute existierende Lützelburg. Der Rat beschloß 1440 den Markt "off dem Blatz by Sant Martin" einzurichten. Die Kochtöpfe hatten eine einheitliche Weite damit sie mit der Topfgabel ins Feuer gestellt werden konnten. Damit der Andrang von "draußen" nicht zu groß wurde, durften Augsburger Töpfer direkt aus der Werkstatt verkaufen. Und damit das Handwerk noch goldenen Boden bekam wurden in den reichsstädtischen Brennöfen auch Ofenkacheln hergestellt. So wurden die Töpfer zu den ersten Ofenbauern und sorgen in kalten Tagen für Wärme in den Häusern. |
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Der heimische Herd konnte in zweierlei Form aufgebaut sein. Die ältere Variante mit der Feuerstelle am Boden oder die gemauerte Kochstelle mit bequemer Arbeitshöhe. Der Kamin aber immer als offener Abzug ausgeführt was den Rat oft auf den Plan rief. War doch die Brandgefahr in der Reichsstadt sehr groß und allgegenwärtig. Das Fegen der Kamine und Steuernachlässe für Bürgerhäuser mit Schieferdächern und gemauerten Giebeln als Brandmauern sollten hier Einhalt gebieten. Langstielige Pfannen und geschmiedete Kessel waren die wertvollen Werkzeuge am Herd. Entweder als Dreibein ausgeführt um direkt ins Feuer gestellt zu werden oder an einem Schwenkgalgen oder einer Topfsäge befestigt. In Augsburg zeugt der Straßenname " Am Kesselmarkt " noch heute davon wo diese Küchenutensilien gehandelt wurden. |
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![]() Aus der Küchenmeysterei
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Neben den direkten Kochutensilien fanden sich in der Küche auch noch so nützliche Dinge wie Bratspieße und Grillroste oder sogar ein von der warmen, aufsteigenden Luft angetriebener Bratenwender. Blasebalg zum Glutanfachen genauso wie Schlageisen, Feuerstein und Zunder um ein neues Feuer zu entfachen. Im Kamin fanden sich häufig Aufhängungen für Rauchwaren. Zuber oder gar ein Spülstein für den Abwasch rundeten die Ausstattung ab. |
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Holz war der wichtigste Brennstoff, die teurere Kohle war für die Schmieden bestimmt. Ein wichtiger Ratsbeschluss aus von März 1477 regelt den Holzhandel in der Stadt "daß das Holtz, welches bishero dem Gesicht nach verkauffet worden nach einem gewissen Maas, so man Klafftern nennet, abgemessen und bezahlet werden sollte". Schluß war's mit der Lumperei, nun galt ein Maß, 102 x 175 x 175 cm. Wer nachmessen möchte ist das alte Holzmaß am Rathaus heute noch für jedermann zugänglich. Als Sorten wurden bestes Buchenholz, Birke an zweiter Stelle und billiges Tannen- und Fichtenholz gehandelt. Zum Anzünden waren die "Bortzen", dünne Äste von Birke und Reisig zu bekommen. Oft wurden sie gewaltigen Mengen an Brennholz als "Driften" geflosst .Hierzu wurde auf Wochen die Floßfahrt auf dem Lech gesperrt und aus dem Oberlauf Hunderttausende Stämme angeschwemmt.
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Am südlichen Ende der Stadt finden sich heute der kleine Wasserturm von 1416 und sein großer Bruder von 1470. Gespeist vom Brunnenbach während nebenan der Lochbach über ein Aquädukt in die Stadt geleitet wurde. Wasserräder pumpten das Wasser hinauf, unter der Aufsicht des Brunnenmeisters. War es doch modern statt der noch vorhandenen Schöpf- brunnen die repräsentativen Lauf- brunnen zu besitzen. Bereits 1412 experimentierten die Augsburger mit Ton- und Eisenröhren um dann doch wieder zu den bewährten aber altern- den Holzröhren zurückzukehren. Daneben war die Altstadt durch den vorderen, mittleren und hinteren Lech versorgt um sich im Norden wieder zum Stadtbach zu vereinen. |
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